Mit Statify trotz Cookie-Opt-In, E-Privacy und DSGVO den Überblick behalten

Statify, ein WordPress Plugin für DSGVO-konforme und cookie-freie Web-Statistik, existiert schon seit vielen Jahren. Doch mit der Verschärfung des Cookie-Rechts in Deutschland auf Basis des EUGH-Urteils vom 01.10.2019 erfährt das schlanke Statistik-Plugin für WordPress in unseren Projekten eine starke Renaissance.

Warum ist das Plugin Statify eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Lösungen für Website-Statistik?

Weil cookie-basiertes Tracking nur noch nach Nutzerzustimmung erlaubt ist – vereinfacht ausgedrückt. Strikt betrachtet ist die Rechtslage immer noch nicht klar; manche Juristen vertreten die Meinung, gewisse Formen des Tracking könnten auch unter das „berechtigte Interesse“ der Website-Eigentümer fallen („andere Gestattungstatbestände als die Einwilligung gestützt werden kann, insbesondere auf Art. 6 Abs. 1 lit. f) DSGVO und mithin ein berechtigtes Interesse“). Dann wären diese Cookies nicht optin-pflichtig. Diese Frage soll hier jedoch nicht diskutiert werden. Gehen Sie davon aus, dass sich dieser Text an Website-Besitzer richtet, die vorsichtig sein und die Rechtslage lieber strikt auslegen möchten.

Wer sich, dies vorausgeschickt, möglichst rechtskonform an die neue Rechtslage anpasst, darf den Tracking Code von Google und anderen cookie-basierten Lösungen erst ausführen, wenn der Nutzer zugestimmt hat. Das Statify Plugin kommt ohne Cookies aus. Statify bietet Statistiken über Seitenaufrufe auch ohne Cookie-Opt-In. Datenschutzfreundliche Stats für WordPress entsprechend deutschem Recht.

Die Folge der neuen Rechtslage zum Tracking-Opt-In ist, dass die Statistiken und jeder cookie-basierten Tracking-Lösung implodieren:

Die von Google Analytics angezeigten Besucherzahlen brechen mit der Cookie-Opt-In-Lösung massiv ein.

Rückgänge von 70 bis 80 Prozent in der Statistik sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das folgende Beispiel aus freier Wildbahn ist noch extremer. Hier gingen die gemessenen – nicht der tatsächlichen – Seitenaufrufe um mehr als 90 Prozent zurück.

Das liegt daran, dass viele Website-Besucher dem cookie-basierten Tracking eben nicht zustimmen, insbesondere, wenn der Cookie-Hinweis wirklich rechtskonform erfolgt. In Google Analytics sieht ein solcher Effekt dann beispielsweise so aus:

Google Analytics: Im Gegensatz zur Statify-Statistik kommt es zum Rückgang der gemessenen Besuche nach Integration eines Cookie-Opt-In.

Google Analytics: Im Gegensatz zur Statify-Statistik kommt es zum Rückgang der gemessenen Besuche nach Integration eines Cookie-Opt-In.

Nach Integration des Cookie-Opt-In: Nur noch 10 Prozent der Sessions im Vergleich zum vorigen Zeitraum gemessen, qualitative Werte wie Pages per Session, Session Duration und Bounce Rate verbessern sich logischerweise schlagartig

Nach Integration des Cookie-Opt-In: Nur noch 10 Prozent der Sessions im Vergleich zum vorigen Zeitraum gemessen, qualitative Werte wie Pages per Session, Session Duration und Bounce Rate verbessern sich logischerweise schlagartig

Die Screenshots zeigen ein Extrembeispiel: 92 Prozent weniger Sessions nach Integration einer Cookie-Optin-Lösung, bei der auf „Nudging“ verzichtet wird. Dafür verbessern sich qualitative Messwerte wie die Seitenaufrufe pro Besuch, die Bounce Rate, die Seiten pro Sitzung schlagartig.

Die Versuchung ist groß, nur noch das WordPress Plugin Statify zu verwenden und das Tracking der Aufrufe als Blogger mit der Software von Google ganz abzuschalten. Denn was bringt ein Statistik-Instrument, das nur einen Bruchteil der Besuche erfasst?

Wir haben uns jedoch dazu entschieden, die Statistik-Lösung von Google auf Seiten, die es bisher schon einsetzen, bis auf weiteres noch aktiv zu lassen, und zwar zusätzlich zu Statify. Der Grund: Nach wie vor lassen sich wertvolle Schlüsse ziehen, die nur auf Basis von Tracking Cookies möglich sind, etwa:

  • Welche Inhalte führen zu besonders hohem Engagement?
  • Wie entwickelt sich der qualitative Nutzerverhalten, also die Aufenthaltsdauer, die Seiten pro Sitzung und so weiter?

Bleibt jedoch die Frage nach der Anzahl der Seitenabrufe insgesamt, denn dieser Wert wird von Google Analytics nicht mehr zuverlässig erfasst. Es gibt verschiedene Wege zum Ziel, diesen Gesamtwert nach wie vor darstellen zu können.

  1. Einerseits ließen sich die bei jedem Webserver vorhandenen Statistics auslesen, etwa auf Ebene der Server-Verwaltungs-Software (Plesk et al.).
  2. Generelle Traffic-Daten stehen teilweise auch auf Ebene des Content Delivery Networks (Cloudflare, Sucuri, …) oder – ironischerweise – der Lösung für Cookie Consent Management zur Verfügung.

Doch beide Lösungen stehen nur auf Ebene der Super-Administration zur Verfügung und nicht immer dem Nutzer einer einzelnen Website.

Statify ermöglicht es, Umfang und Herkunft des Traffic für alle URL datenschutzkonform auf Ebene der einzelnen Website anzuzeigen.

Das WordPress Plugin Statify verzichtet auf den Einsatz von Cookies und auf das Speichern von IP-Adressen. Daher ist es nicht in der Lage, wiederkehrende Besucher zu erkennen oder zu tracken, wie viele Seiten pro Besuch bzw. Sitzung die Leser auf der Website abrufen. Doch ein Statify Widget direkt im WordPress Backend gibt jederzeit Auskunft über die aktuelle Anzahl der Seitenaufrufe, und das datenschutzkonform. Das WordPress Plugin Statify liefert jedoch keinerlei Auskunft über Engagement und Qualität des Traffic.

Doch ehrlich gesagt sind es genau diese qualitativen Werte, die den durchschnittlichen Website-Eigentümer oft auch überfordern. Die Werte verführen teilweise zu falschen Schlüssen.

Zwei Gängige Mythen der Website-Statistik sind beispielsweise:

„Eine hohe Time on Page bedeutet, dass wir guten Content haben.“

Die Schlussfolgerung ist in dieser allgemeinen Form nicht zulässig. Eine hohe Aufenthaltsdauer der Nutzer auf einer Website kann bedeuten, dass die Inhalte gut sind. Sie kann aber ebenso ein Hinweis darauf sein, dass die Navigation auf der Website eine Katastrophe ist und die Nutzer nicht finden, was sie suchen.

„Eine hohe Bounce Rate weist auf ein Qualitätsproblem hin.“

Das ist nicht immer richtig. Gerade magazin-artige Websites wie News-Seiten und Blogs, die viel Traffic aus Social Networks erhalten, weisen bei diesen Inhalten (News, Blogpostings) häufig extrem hohe Bounce Rates auf, die zwischen 70 und 90 Prozent liegen können. Diese hohen Absprungraten sind darauf zurückzuführen, dass das Nutzerbedürfnis beim Browsen von LinkedIn, Facebook oder Twitter auf den verlinkten Artikel komplett befriedigt ist. Der Nutzer hat den Inhalt gelesen und springt dann ohne weitere Interaktion wieder ab. Kein Problem, wenn es auf Brand Awareness oder Reputationspflege ankommt und nicht eine bestimmte Conversion das Ziel ist.

Statify: Eine Alternative zu Google Analytics?

Nein. Das WordPress Plugin Statify von Sergej Müller, pluginkollektiv, ist keine Alternative zu Google Analytics, da es mangels Cookie Tracking die Nutzer nicht „verfolgt“. Es liefert auf datenschutzfreundliche Weise die Anzahl der Aufrufe. Deshalb kann das Plugin für WordPress keine qualitativen Daten zum Website Traffic liefern. Dennoch reicht Statify als Statistik-Plugin aus, wenn es nicht auf die Verfolgung der Nutzer-Interaktion bei den Nutzern ankommt, die Cookies ablehnen. Statify bietet eine unkomplizierte Lösung zur Anzeige der Stats gemäß deutschem Datenschutz nach dem Prinzip Privacy by Design.

Doch Hand aufs Herz: Aktuell sieht die Rechtslage schlicht so aus, dass Website-Besitzer das Nutzer-Verhalten von Nutzern, die Cookies ablehnen, überhaupt nicht tracken dürfen. Das Nutzerverhalten analysieren dürfen wir bei den Website Usern, die unseren Cookies mit dem entsprechenden Zweck zustimmen. Dazu dürfen wir dann das Tool nutzen, zu dessen Verwendung wir uns die Nutzer-Zustimmung via Cookie-Opt-In geholt haben. Dieses Tool darf dann beispielsweise auch Google Analytics sein.

Ist das schlimm? Nicht, wenn man sich darauf einstellt. Es hat sogar etwas Gutes: Wir können künftig zwischen zwei Arten von Website-Besuchern unterscheiden.

  1. Die Website-Besucher, die Cookies ablehnen, sind Besucher zweiter Klasse (ja, das klingt hart), die uns nicht so uneingeschränkt vertrauen, dass sie der von uns gewünschten Verwendung von Tracking Cookies zustimmen
  2. Die Website-Besucher, die Cookies auch zum Zweck des Tracking zulassen, sind selektiert und fallen schon fast in die Klasse „Leads“. Sie vertrauen uns, stimmen dem Tracking durch uns zu und sollten daher mit Priorität analysiert und durch der Analyse folgende Optimierungen am Content immer besser abgeholt und in ihrem Nutzerbedürfnis befriedigt werden..

Statify ist ein gutes Tool

… zum Handlung der Website-Besucher aus Gruppe 1. Und Gruppe 2 können wir mit fortgeschrittenen Tracking-Werkzeugen zur Grundlage unserer Website-Optimierung, unseres Retargeting etc. machen.

Für mich steht daher aktuell fest, dass Statify in vielen Website-Projekten sinnvoll zum Einsatz kommen kann. Statify bietet eine unkomplizierte und kompakte Statistik – nicht trotz, sondern gerade wegen des fehlenden cookie-basierten Tracking.

 

 

Zusammenfassung
Statify ist ein leicht bedienbares, cookie-freies und datenschutzkonformes Statistik-Plugin für WordPress. Da Cookies nur noch nach Zustimmung gesetzt werden dürfen eignet es sich als Basis-Statistikwerkzeug für WordPress Websites.
Gut
  • Leichte Bedienung
  • Keine Speicherung von IP-Adressen
  • Keine Cookies
  • Bremst Websites nicht aus
Unbefriedigend
  • Keine qualitative Statistik
  • Bisher keine API verfügbar, nur CSV-Download mit Zusatzplugin
8.8
Sehr gut
Funktionsumfang - 5
Handhabung - 10
Preis / Leistung - 10
Zuverlässigkeit - 10
Verfasst von

Bernhard hat mehr als 10 Jahre als Redakteur gearbeitet und wurde dann PR-Unternehmer. Im Jahr 2011 gründete er seine eigene Agentur Lots of Ways GmbH. Er bloggt und arbeitet seit 2006 mit WordPress.

Stimme ab!

2 0

Kommentieren

E-Mail-Adressen werden nicht veröffentlicht. Pseudonyme E-Mails und Namen sind erlaubt. Details siehe Datenschutzerklärung. Pflichtfelder markiert mit *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.